Interview mit Künstler Wolfgang Abfalter

Freitag, 3. August 2018


Letztens habe ich euch über meinen Besuch bei Wolfgang Abfalter erzählt und heute folgt das Interview, das dabei entstanden ist....



Die du bist, 130 x 300, Acryl auf Leinen



Lieber Wolfgang, du malst seit 2009. Wo hast du das Malen gelernt?

Ich habe mir mit 45 Jahren alles selbst beigebracht. Ich besuchte nur einmal ein Malseminar in Geras (Waldviertel). Den Rest entwickle ich ständig selbst weiter.

Du warst nie auf einer Kunstakademie?

Dass ich nie in der Kunstakademie war, sehe ich als Vorteil. Ich male so wie ich glaube, nicht wie es "gehört".  Von vielen akademischen Malern hört man, dass man von den Vortragenden geprägt wird. Das fällt bei mir komplett weg. Ich male wie ich fühle. Leider wollen Galerien noch immer fast ausschließlich  Werke von akademischen Malern zeigen. Galerien legen viel Wert auf  Zyklen und ich wechsel sehr gerne. Ich möchte frei in meinem Schaffen sein.

Was kannst du nicht?

Abstrakte Malerei. Obwohl ich ein Naturmensch bin fällt mir die Landschaftsmalerei schwer. Vielleicht kommt es später noch.

Hast du ein Vorbild?

Ein Vorbild habe ich nicht wirklich, aber zum Beispiel Egon Schiele fasziniert mich sehr. Dieser einzigartige Strich und sein expressiver Stil - egal ob Auftragsarbeiten oder nicht - davon bin ich sehr angetan.





Wie verbringst du deine Abende?

Ich male, trinke gerne ein Glas Wein und lese sehr viel. Den Fernseher haben wir irgendwann verbannt. Die vielen negativen Berichterstattungen, die Nachrichten kurz bevor man schlafen geht. Dies alles quälte und wühlte mich auf. Ich schaue mir nur gezielt über das Internet Sendungen an.


Was motiviert dich?

Dokumentationen von Künstlern. Die inspirieren mich. Danach will ich gleich wieder an meinen eigenen Werken etwas tun. Früher waren es zum Beispiel Sportsendungen wie Radrennen. Im Anschluss habe ich mich immer sofort selbst auf mein Mountainbike gesetzt. So motiviere ich mich am Besten.


Wenn du noch einmal auf die Welt kommen würde. Was würdest du gerne machen?

Ich wäre gerne ein Musiker. Er steht auf der Bühne und bekommt sofort Feedback während du beim Malen viel alleine bist.



Du hast eine neue Website auf der viele Werke zu sehen sind. Sind das Bilder die man alle kaufen kann?

Grundsätzlich ja. Wenn sich ein Interessent auf ein Bild meldet, schaue ich nach. Ist es noch da verkaufe ich es gerne. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass ich dann ein ähnliches Bild mit Wunschfarben als Auftragsarbeit angenommen habe. Alles ist möglich.



Wie waren deine Anfänge als Maler? Hattest du Existenzängste?

Wie die meisten Selbständigen quält auch mich diese Frage. Allerdings bin ich heute in der glücklichen Lage, dass ich von der Malerei leben kann. Als damals die Wirtschaftskrise kam und ich noch als Grafiker tätig war, musste ich mir etwas einfallen lassen. Da brach ein Kunde nach dem anderen weg und ich stand ohne Aufträge da. Zu dieser Zeit habe ich mich aufs Malen konzentriert und ich bin heute noch meiner Partnerin sehr dankbar, die mir immer beigestanden ist.  Ohne sie wäre ich nicht da wo ich heute bin. Ich begann komplett von vorne und musste viel in meine neue Tätigkeit investieren ohne zu wissen wann ich das nächste Bild verkaufen würde. Es war eine sehr schwierige Zeit.




Warum malst du Portraits? Ist das nicht die Königsdisziplin?

Das würde ich nie sagen. Mir fällt es zum Beispiel wahnsinnig schwer, abstrakt zu malen oder Landschaftsmalerei. Bei meiner ersten Ausstellung in einer Galerie hat ein bekannter Kunstkritiker zu mir gesagt: "Herr Abfalter, sie sind ein begnadeter Porträt Maler." Ich sah das damals nicht so, aber nachträglich betrachtet hatte er wohl recht.  (Wolfgang schmunzelt)


Mir gefallen drei Bilder von deiner Website und ich kann mich nicht entscheiden. Ich habe aber keine Zeit zu dir nach Burgau zu kommen. Was kann ich tun?

Wenn ernsthaftes Interesse besteht, fahre ich mit den drei Bildern auch zum Interessenten. Ich hatte schon so einen ähnlichen Fall. Ein Bild gefiel einer Interessentin, das ich auf Facebook gezeigt hatte.  Sie war einmal bei mir im Atelier und war sich dennoch unschlüssig ob es in ihren Räumlichkeiten passen würde. Da habe ich ihr das Bild nach Hause gebracht. Ich half ihr beim Aufhängen und dann saßen wir drei Stunden unter dem Bild und redeten über Gott und die Welt. Sie meinte, sie hatte noch nie ein Bild, in dem sie sich so wiedererkannt hat. Sie fand sich nicht nur in dem Bild wieder, sie meinte auch, dass es ihr Leben beschreibt. Das sind dann für mich immer ganz besondere Momente.


Inwendig, 120 x 140, Acryl auf Leinen



Erkenntnis,  120 x 190, Acryl auf Leinen




Dem Himmel so nah..., 100 x 80cm, Acryl auf Leinen



Lieber Wolfgang, vielen Dank für diesen wundervollen Tag. Ich habe viele Eindrücke mitgenommen  und fand unser Gespräch sehr inspirierend. 

Kommentare:

  1. Liebe Natascha, vielen Dank für die wunderbare Vorstellung des Malers Apfalter. Die Malerei ist bei mir noch eher so ein schwarzer Fleck, zu dem ich bisher noch keinen wirklichen Zugang gefunden habe. So habe ich es bisher noch nie in die Albertina geschafft, obwohl ich doch regelmäßig in Wien bin. Daher war es für mich natürlich ganz besonders interessant, in deiner lockeren Art etwas über die Malerei und im Speziellen über diesen Künstler zu erfahren und auch etwas hinter die Kulissen blicken zu dürfen. Sowohl dein Besuch beim Maler, auf den wir dich begleiten durften, als auch das Interview haben da einen wunderbaren Einblick gegeben. Nicht von der theoretischen Seite betrachtet, sondern wirklich eher auf den menschlichen Bezug und auch für Laien geeignet hast du eine tolle Beschreibung des Malers und seiner Kunst geschaffen.
    Ich wünsche dir einen wunderbaren Sonnentag und alles Liebe

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    1. Liebe Gesa,
      du solltest dir unbedingt einmal die Zeit nehmen und in die Albertina gehen. Du versäumst echt etwas! Wobei ich alles andere als ein Kenner bin :-) Aber ich kann sagen ob es mir gefällt oder nicht :-)
      Ich freue mich aber sehr, dass dir meine Berichte gefallen haben. Vielen lieben Dank!
      Alles Liebe
      Natascha

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  2. Ein tolles Interview, ein toller Künstler. Die Werke sind so schön farbenfroh, toll!
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

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  3. Vielen Dank für das interessante Gespräch mit diesem wunderbaren Künstler!
    Ich habe es schon im Blog erwähnt, dass ich Malerei als Hobby habe. Angefangen habe ich wirklich in 1990 als ich noch in São Paulo gewohnt habe.
    Einmal in der Woche kommt eine Gruppe von Freunden zu mir nach Hause, um zu malen.
    Das „Spielen“ mit Motiven und Farben gibt meinem „Ich“ freien Lauf, ich kann meine momentanen Gefühle ausdrücken.
    Liebe Grüße und schönes Wochenende!
    Claudia

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    1. Liebe Claudia,
      da muss ich direkt bei dir nachlesen. So ein Hobby mit anderen zu teilen stelle ich mir sehr schön vor.
      Ganz liebe Grüße
      Natascha

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  4. Ein interessantes Gespräch mit dem Künstler. Ich kann nicht sagen, welches der Bilder mir besser gefällt, denn ich liebe diese prächtigen Farben und Porträtmalerei besonders. Dachte Wolfgang Apfalter hat sicher Kunst studiert.
    Schönen Samstagnachmittag und liebe Grüße Evelin

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  5. EIn tolles Interview! Vielen Dank fürs vorstellen des Künstlers!
    Liebe Grüße
    Sarah

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